21.05.-04.06.2023 El Hierro – 10. Tag: Höhlenexkursion mit Jörg

Ich kann es nicht verheimlichen, aber gestern Abend vor dem schlafen gehen, hatte ich irgendwie doch kalte Füße vor der Höhlenexkursion heute bekommen. In der Nacht habe ich dann auch noch 2 h wach gelegen und habe gefühlte 10 Mal das stille Örtchen aufgesucht. Wach geworden bin ich mit dem gleichen unguten Gefühl. Und dann wusste ich nicht, was ich machen soll. Ich hätte am liebsten gecancelt, aber dann hätte Björn es auch nicht machen können, da die Tour nur mit 2-4 Teilnehmern stattfindet. Und es war ja schon länger Björns Wunsch an so etwas teilzunehmen. Wir gingen dann erst mal frühstücken und ich hoffte, dass sich vielleicht doch noch 1-2 weitere Teilnehmer angemeldet haben, so dass ich da bleiben konnte.

Gebucht hatten wir die Tour bei Jörg und Heidrun von https://www.hoehlenelhierro.de.

Jörg wollte uns um 10 Uhr am Hotel abholen. Das hat auch alles pünktlich geklappt, mein Wunsch, dass sich weitere Personen angemeldet haben, erfüllte sich aber nicht. Es hatte sich zwar eine Familie angemeldet, die er aber auf Donnerstag gelegt hat,, da er, wenn Kinder dabei sind, die Touren nicht mit anderen zusammenlegt. Also musste ich dann eine Entscheidung treffen. Jörg überzeugte mich davon mitzukommen.

So fuhren wir mit seinem Geländewagen wieder in die Gegend bzw. das Lavafeld zwischen El Pinar und La Restinga. Jörg war ein sehr netter Gesprächspartner. Wir passierten wieder El Llanos, dieses Mal im Sonnenschein. Björn fragte auch nach der Feuerwehr der Insel und Jörg fuhr extra einen Umweg, um uns diese zu zeigen. Durch die vielen Gespräche waren meine Ängste vor der Höhle erst mal verflogen. Wir erfuhren vieles Wissenswerte über die Insel, die Vulkane und Jörg selbst.

So verging die Fahrt wie im Flug und nach ca. 50 Minuten kamen wir im Lavafeld an. Über uns sahen wir den Vulkankrater, wo es hingehen sollte.

Als Ausrüstung bekamen wir dann noch einen Helm mit Stirnlampe, Handschuhe und Knieschoner, wobei Jörg mir versprochen hatte, dass wir die Knieschoner nicht brauchen werden, weil Krabbeln oder Robben nicht angesagt wären. Björn hatte unseren Rucksack, Jörg hatte weiteres Equipment im Rucksack, deshalb bekam ich dann noch den Rucksack mit der Verpflegung, den Jörg mitgebracht hatte. So liefen wir dann durchs Lavafeld Richtung Vulkankrater, wo der Eingang zur Höhle sein sollte.

Wir näherten uns immer mehr dem Vulkankrater, aber mit sehr vielen Pausen, da Jörg eine Menge über die Gesteine, deren Entstehungsgeschichte und überhaupt über die Umgebung zu erzählen hatte.

Seit der Abfahrt waren inzwischen schon rund 3 h vergangen. In der Ferne sahen wir weitere Gebilde, die wie Vulkankrater aussahen, Jörg klärte uns aber auf, dass dies keine Vulkane sind, da es sich um festes Material handelt, aber den Namen dafür habe ich leider vergessen.

Schließlich näherten wir uns einer kleineren Höhle, die aber nicht unser eigentliches Ziel war, trotzdem statteten wir dieser auch schon mal einen Besuch ab. Also Helm auf, Knieschoner hochgezogen, Licht an und los ging es. Die Rucksäcke ließen wir draußen zurück.

Es gab erst mal einen breiten Eingang und einen großen Hohlraum, der früher wahrscheinlich auch als Behausung gedient hat.

Dann ging es ein Stück in die Höhle hinein und Jörg fragte mich nach meiner Höhlentauglichkeit. Noch war alles gut, aber wir waren ja auch noch nicht weit gekommen. Schon bald wurde es nämlich enger wo man doch schon engere Spalten überwinden musste und ich fing schon an zu schlucken. Jörg meinte, dass ich das nicht machen muss und das die eigentliche Höhle viel größer ist, also ging ich lieber zurück in die Vorhalle und wartete auf die beiden Männer.

Anschließend ging es weiter über das Lavafeld Richtung der eigentlichen Höhle.

An diesem Steinturm sollte der Eingang in die Höhle sein.

Am Eingang angekommen, sahen wir dann auch gleich eine kleine Ecke, wo an einen Verstorbenen gedacht wurde. Ich wollte mir das gar nicht näher anschauen, aber Björn musste dann gleich nachfragen und Jörg erzählte ausführlich, dass vor ein paar Jahren ein junger Mann alleine in die Höhle gegangen ist, ihm das Licht ausgegangen ist und er dann den Ausgang nicht mehr gefunden hat. Genau die richtige Geschichte für mein Nervenkostüm 😉. Ich bat darum, das Thema bitte nicht weiter auszudiskutieren. An diesen furchtbaren Tod darf ich gar nicht denken. Jörg versicherte mir noch, dass wir mehr als genug Licht dabei haben. Die Rucksäcke ließen wir wieder vor der Höhle zurück.

Jörg informierte dann noch irgend eine offizielle Stelle, dass wir nun die Höhle betreten. Wenn wir uns nach spätestens drei Stunden nicht zurückgemeldet hätten, wäre wohl jemand geschickt worden. Ich meinte dann noch, ob ich es darin wirklich 3 h aushalten soll. Er versprach mir, dass ich jederzeit zurück könne, wenn ich dies wolle. 300 m ist die Höhle lang. Eigentlich gar nicht so viel. Jörg wies uns noch darauf hin, dass die Höhle auch Taubenhöhle genannt wird, weil sich im Eingangsbereich viele Tauben aufhalten, die die Höhle verlassen werden, sobald wir diese betreten. So war es dann auch. In einem Affentempo stoben diese über uns hinaus. In einer Ecke sahen wir noch eine brütende Taube.

Dann ging es los, aber nach wenigen Metern blieben wir schon wieder stehen, da Jörg wieder eine Menge Erklärungen zu den Steinen abgab. So lange der Eingang noch zu sehen war, war für mich erst mal alles gut.

Aber schon bald sollte es tiefer in die Höhle hineingehen.

Überall gab Jörg viele Erklärungen ab, wir erzählten dann aber auch über dies und jenes. So verging die Zeit und wir waren noch gar nicht so weit gekommen. Schließlich kamen wir an eine Stelle, an der wir uns abseilen mussten. Mit Abseilen hatten wir ja schon Erfahrung auf Sardinien gesammelt, das war kein Problem. Jörg erklärte uns ausführlich, wie man den Knoten im Seil macht, verband die Seilenden mit einem Karabinerhaken und schlang das Seil um einen großen Stein. Dann machte er sich selbst auf den Weg nach unten.

Als es dann hieß, „Seil frei“, folgte ich ihm.

Unten setzte ich mich erst mal auf einen Stein und beobachtete, wie Björn sich abseilte.

Das Abseilen hatten wir dann erst mal alle geschafft.

Hier gab es dann eine kurze Abzweigung, die ich lieber nicht mitlaufen wollte, da diese mir wieder enger erschien. So blieb ich auf meinem Stein sitzen und die Männer machten sich auf den Weg nach unten. Jörg sagte, dass sie in 5 Minuten wieder da wären.

Für einige Momente waren sie auch nicht mehr zu hören. Das war schon ein komisches Gefühl alleine zu sein, aber es war ok. Bald war auch schon wieder das Licht zu sehen und die Stimmen zu hören. Ab hier zweigte die Höhle dann aber nach links ab und stieg wieder nach oben an, bis wir bald eine große Halle erreichten, die 15 m hoch war. Hier ließen wir uns nieder. Hier sollte ungefähr die halbe Strecke geschafft sein. Wir waren aber durch die vielen Erläuterungen und Erzählungen schon 2 h in der Höhle. Jörg fragte mich, wie es mir geht. Ich sagte, dass es ganz ok ist, so lange ich nicht drüber nachdenke, wo ich grade bin. Ein bisschen flaues Gefühl im Magen hatte ich aber schon die ganze Zeit.

Ja und dann meinte er, ob wir mal das Licht ausmachen wollen, wir könnten es dann auch schnell wieder anmachen, wenn wir wollen. Ok, wir probierten es aus. Ich sage Euch, es herrschte wirklich absolute Dunkelheit. Ich weiß nicht, ob ich das schon mal erlebt habe. Wir unterhielten uns ein bisschen im Dunkeln. Die Stimmen waren auch eher gedämpft, wie in einem Akustikraum. Er erzählte uns, dass er mal mit einer Opernsängerin da gewesen wäre. Und, dass man, sobald man um eine Ecke ist oder nur 30 m weg ist, nichts mehr hören würde. So saßen wir eine Zeit da, aber ich wollte das Licht nach einiger Zeit dann doch lieber wieder einschalten. Nach der Tour erzählte er mir, dass einige Gruppen hier gerne bis zu 40 Minuten im Dunkeln verweilen wollen, um zu meditieren.

Dann setzten wir unseren Weg fort und das Ende der Höhle war dann schnell erreicht, was er uns schon vorhergesagt hatte.

Ok, Ende der Höhle stimmte dann nicht ganz. jörg hatte am Sonntag auf dem Markt schon erwähnt, dass man sich am Ende dann doch nochmal an engen Abschnitten und Robben versuchen kann, wenn man es denn unbedingt will. Die Höhle ging nochmal ca. 30 Meter weiter und das war dann natürlich Björns Ding. Ich hatte keinen Bedarf 😉.

So kroch er in den letzten Abschnitt der Höhle. Die ersten 5 m hätte ich ja vielleicht noch mitgemacht, aber ich ließ es dann doch.

Jörg kroch dann hinterher und schon bald waren die Lichter und Stimmen der beiden nicht mehr zu sehen und hören. Anfangs vertrieb ich mir die Zeit noch mit Handy spielen, aber je länger die beiden nicht mehr wiederkamen, merkte ich, wie langsam die Angst in mir aufstieg. Alleine in völliger Ruhe und mit dem Wissen, ohne Licht auch in völliger Dunkelheit zu sein, machte mir langsam Panik. Ich rief die beiden mehrmals, aber nach den Ausführungen vorher war mir ja schon klar, dass sie mich nicht hören würden. Ich versuchte irgendwie ruhig zu atmen und sagte mir immer wieder, ruhig bleiben. Eigentlich wusste ich ja auch, dass nichts passieren kann. Neben mir stand auch der Rucksack von Jörg mit dem ganzen Zusatzlicht und mein Handy hatte ich ja auch noch. Und war ja auch klar, dass sie irgendwann wieder kommen. Aber natürlich spielte bei meinen Gedanken auch die Geschichte vom Eingang mit eine Rolle. Und die beiden kamen nicht und kamen nicht. Ich zitterte irgendwann am ganzen Körper. Das war wohl eine kleine Panikattacke. Das war natürlich ziemlich unlustig. Ich weiß nicht, wie lange sie letztlich weg waren. Ich tippe auf 15 Minuten. Schließlich war wieder das Licht der beiden zu sehen und ich hörte, dass sie mich riefen. Jörg war dann als erstes bei mir und kurz später kroch auch Björn wieder aus der Höhle.

Nachdem die beiden wieder zurück waren, habe ich mich aber relativ schnell wieder beruhigt und wir traten den Rückweg an. Auf einmal waren wir ganz schnell zurück am Seil, wo Jörg noch ein paar Fotos von uns machte.

Dann hangelten wir uns wieder am Seil nach oben.

Und dann näherten wir uns auch schon ganz schnell dem Ausgang.

Und dann hatten wir es geschafft.

Es hört sich jetzt komisch an, aber ich glaube, wir waren innerhalb 7-10 Minuten wieder aus der Höhle draußen. Die ganze restliche Zeit haben wir dann wohl mit Erläuterungen, Gesprächen, Fotos machen und Einwirken lassen der Umgebung verbracht. Die 3 h haben wir übrigens knapp überschritten und setzten deshalb noch schnell unsere Meldung ab. Jörg meinte dann, dass das wahrscheinlich Rekord wäre, weil sie normal eher 2 h in der Höhle verbringen und dass er damit nach meinen anfänglichen Bedenken eher nicht gerechnet hätte.

Draußen verwöhnte Jörg uns dann noch mit seinem leckeren selbstgemachten Brot, dass er auch sonntags auf dem Markt verkauft. Dazu gab es selbstgemachte Mojo Verde aus Koriander und Käse. Die Mojo werde aufs Brot geschmiert und Käse obendrauf, das schmeckte sehr lecker.

Anschließend wollte Jörg dann mit uns nochmal in den Vulkankrater steigen. Das war nochmal eine lohnenswerte Tour.

Hier erzählte Jörg uns auch noch etwas über die Entstehung von Lavabomben, da er grade zufällig eine gefunden hatte. Den Vulkankrater hatten wir schließlich auch umrundet und wir gingen zurück zum Auto. Auf dem Weg kamen wir noch an einer Lavaröhre vorbei.

Dann ging es mit dem Auto wieder zurück nach La Frontera. Inzwischen war es 20 Uhr, wir waren also 10 h unterwegs gewesen. Wir entrichteten Jörg noch die 120 Euro, die für die Tour fällig waren und er empfahl uns noch ein Bistro in Los Llanillos. Nachdem wir uns schnell umgezogen hatten, machten wir uns auf den Weg dorthin. Ich aß nur eine Kleinigkeit und Björn einen Burger.

Nach kurzer Zeit machten wir uns aber wieder auf den Rückweg, weil wir nach dem langen Tag doch müde waren. Trotzdem ließen wir es uns aber nicht nehmen, nochmal beim Charco Azul vorbeizufahren. Eigentlich ein türkisblau leuchtendes Naturbad. Wir schauten nur von oben und sahen, dass das Becken kaum Wasser führt und somit auch nicht blau war. Jörg klärte uns später auf, dass das an der Ebbe lag. Wir schauten noch den Sonnenuntergang.

Dann fuhren wir zurück ins Hotel, wo wir auch schnell das Bett aufsuchten.

So endete ein ereignisreicher und aufregender Tag. Jörg war ein toller Gesprächspartner und Guide und war ein wandelndes Lexikon, wenn es um die verschiedenen Gesteine ging und auch unsere zahlreichen Fragen rund um die Insel konnte er uns alle ausführlich beantworten. Wir können ihn uneingeschränkt weiterempfehlen. Die Höhle war genau Björns Ding und er war voll in seinem Element. Ich werde in diesem Leben (und im nächsten auch nicht) kein Höhlenforscher mehr 😉. Es war trotzdem ein lohnenswerter und toller Ausflug. Vielen Dank an Jörg für die tolle Durchführung und die vielen Erläuterungen.

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